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Yoga, Meditation, Achtsamkeit und Prävention im Schulalltag

Wie Schulkinder durch Yoga lernen, sich selbst wieder mehr zu spüren

Während Erwachsene im Yoga meist Entspannung, Heilung und Selbsterfahrung suchen, hat Yoga für Kinder die Stärkung und Aktivierung des Körpers zum Ziel. Generell profitieren Kinder neben den körperlichen Effekten durch die Schulung der Konzentrationsfähigkeit und durch die Sensibilisierung im sozialen Miteinander. Darüber hinaus wird Körperwahrnehmung und Achtsamkeit sowie Freude an der Bewegung geweckt. Kinder lernen schnell, und was sie als Kind gelernt haben, können sie auch im Erwachsenenalter wieder leichter abrufen.

Yoga für Kinder kann eine optimale Hilfe für die geistigen Anforderungen des Schulalltags sein –
und Kindern helfen, unter dem verhältnismässig vielen Lernstoff nicht zusammenzubrechen. Innerhalb der letzten zehn Jahre sind die Anforderungen an die Kinder in der Schule um ein Vielfaches angestiegen. Die Kinder müssen ihrem Alter entsprechend viel Stoff aufnehmen und stehen somit bereits in jungen Jahren unter einem sehr hohen Leistungsdruck. Spielerisches Lernen hat hier oft genauso wenig Platz wie Wiederholungen des Lernstoffes, da die Lehrer selbst ja auch unter dem Druck stehen, ihr Pensum durchzuziehen. Somit ergibt sich, dass von den Kindern eine enorm hohe Lernfähigkeit gefordert wird, um zum einen ein fundiertes Grundwissen aufzubauen und zum anderen mit dem Schulstoff Schritt halten zu können. Das große Lernpensum setzt eine hohe Konzentrationsfähigkeit voraus, denn nur durch konzentriertes Arbeiten sind die Kinder im Unterricht in der Lage, das vermittelte Wissen zu verinnerlichen und den Unterrichtsstoff ohne grosse Schwierigkeiten zu bewältigen.

Yoga-Definition für Kinder und Jugendliche, erarbeitet von Marcus Stück, Kati Rillich, Melanie Matangi Eichberger an der Universität Leipzig, Deutschland:
„Der Kinderyoga ist eine Vorbereitung für den achtgliedrigen Übungsweg des klassischen Yogas Patanjali. Der Übungsweg für Kinder beinhaltet v.a. die Stufen 1-6 und wird in einer besonderen Übungsmethodik vermittelt. Das Unterscheidende zum Erwachsenen-Yoga besteht in der spielerischen, kreativen Umsetzung. Das klassische Ziel besteht nach wie vor „yogas citta vrtti nirodhah“, also dem Verlangsamen (nirodhah) der Bewegungen bzw. Gedanken.
Ausgewählte Elemente die yogaunspezifisch sind, sollten ausschliesslich zum Ziel haben, Kinder für die Ausführung des klassischen Yogaweges zu motivieren, welcher das Ziel des Yoga bleibt.“
Yoga ist ein Übungssystem, das auf genauen Kenntnissen des menschlichen Körpers und seiner
Funktion beruht. Die Übungen wirken auf den ganzen Körper, das Drüsen- und Nervensystem, den Blutkreislauf, das Rückgrat, die Gelenke, auf Muskeln und Organe. Manche Übungen stärken die Willenskraft und Stabilität, fördern die Gedächtnisfähigkeit und erhöhen die Konzentration.

„Yoga muss sich den Menschen anpassen und nicht umgekehrt.“

Welche konkreten Vorteile bringt Yoga für die kindliche Entwicklung im Schulalltag?
Im Yoga lernen Kinder eine gesunde Körperhaltung. Kinderyoga-Übungen lösen Muskelverspannungen, schulen Gleichgewicht, die Koordination und Beweglichkeit. Psychomotorische Übungen helfen, die Grob- und Feinmotorik des Kindes, seine Balance und Koordinationsfähigkeit zu verbessern. Yoga bietet Kindern einen idealen Ausgleich zu Alltagsstress, Bewegungsmangel und Kopflastigkeit. Der Wechsel von Bewegung (Yoga- Übungen) und Ruhe (Traumgeschichten, Meditation) in den Angeboten wirkt ausgleichend. Entwicklung der körperlichen und sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten, der Fantasie und Kreativität. Kinder lernen, ihren Körper bewusst und achtsam wahrzunehmen. Sie lernen, sich in den eigenen Gefühlen auszudrücken. Gleichzeitige Schulung von Konzentration und Lernbereitschaft. Die Kinder entwickeln Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Sie spüren ein Gemeinschaftsgefühl und lernen die Fähigkeit Empathie zu entwickeln. Kinderyoga-Angebote stabilisieren die kindliche Persönlichkeit insgesamt. Mit Hilfe der Asanas (körperlichen Übungen) und Pranayamaübungen (Atemübungen) lernt das Kind, sein geistiges Potential so gut wie möglich zu entwickeln. So fördern einige Asanas die Koordination der beiden Körperhälften und somit gleichzeitig die Verbindung der beiden Gehirnhälften. Dadurch wird die rechte Gehirnhälfte, die für Kreativität und
Intuition zuständig ist, genauso gefordert wie die linke, die das rationale Denken und Lernen regelt. Darüber hinaus bezieht Yoga alle Sinne mit ein und fördert das gleiche Mass an Anspannung und Entspannung. Durch die spielerische Vermittlung der Yogaübungen lernt das Kind, sich besser zu konzentrieren, und hat einen wachen, klaren Geist. Ein klarer Geist garantiert natürlich auch eine größere Aufnahmebereitschaft, als wenn er durch übermässigen Medienkonsum, sowie Stress im Alltag eingenebelt ist. Kann sich ein Kind besser konzentrieren, wird automatisch seine Merkfähigkeit erhöht, was gleichzeitig wiederum zu besseren Ergebnissen und Noten führt, wodurch das Kind mehr Spass an der Schule hat und motivierter in den Unterricht geht. Kein Wunder also, dass bei Kindern, die mit Yoga-, Meditation- und Achtsamkeitsübungen begonnen haben, bereits innerhalb von einigen Monaten eine erhebliche Notenverbesserung in der Schule festgestellt werden konnte.

Um wirklich jedem Kind die Chance zu bieten, diese Entspannungsmethode zu nutzen, ist es aber notwendig vor allem Institutionen wie Schule und Kindertagesstätten von seiner Wirksamkeit zu überzeugen.
Aus eigener Praxis als Kinderyogapädagogin kann ich bestätigen, dass Kinder welche ich in einer Zürcher Privatschule, Kindertagesstätten, in meinen privaten Kinderyoga-Kursen und privaten Kinderyogaunterricht für Kinder mit besonderen Bedürfnissen enorme Entwicklungsschritte während dieser Zeit gemacht haben. Es konnte festgestellt werden, dass Elemente des Yoga besonders auf die Entspannung, Konzentration sowie motorische Verbesserungen bei den Kindern wirkten. Neben besserer Körperhaltung und der Fähigkeit Gleichgewicht zu halten und sich zu konzentrieren, lernten die Kinder sich zu entspannen, ihre Emotionen zu kontrollieren, fühlten sich auch von den Eltern mehr akzeptiert und verbesserten sich deutlich in der Schule. Ausserdem konnten sie mit Stresssituationen, dem schulischen Leistungsdruck sowie dem allgemeinen Belastungsdruck besser umgehen. Psychosomatische Begleiterscheinungen, wie Bauch- und Kopfschmerzen sowie Migräne konnten auch durch den Yogaunterricht minimiert oder sogar ganz geheilt werden.

Doch was macht einen lebendigen Kinderyoga- Unterricht aus, und wie kann man ihn für die verschiedenen Altersgruppen von Primarschulkindern und Teenies bis hin zu Jugendlichen angemessen gestalten?
Kinderyoga besteht aus verschiedenen spielerischen Körperübungen, die häufig aus der Pflanzen- und Tierwelt abgeleitet sind. Dazu gehören Atem- und Konzentrationsübungen sowie Wahrnehmungs- und Entspannungsübungen. Alle Yogaübungen werden Kind gerecht und phantasievoll in einem bunten und abwechslungsreichen Rahmen vermittelt. Kinderyoga- Stunden sind didaktisch-methodisch „sinnvoll“ durchdacht. Sie beinhalten verlässliche Strukturen und die besonders wichtigen Rituale für Beginn und Abschluss. Diese geben Halt und Orientierung und sorgen für Vertrauen und Sicherheit, wodurch sich die Kinder leichter auf den Entspannungsprozess einlassen können. Nach einigen Bewegungsspielen zur Aufwärmung, folgt eine spannende Yogageschichte, in der die verschiedenen Körperübungen („Asanas“) integriert sind. Die Geschichten regen die Kinder an, sofort mitzumachen und geben eine altersgerechte Motivation für die angestrebten Körperhaltungen und den Ablauf der Bewegungen (z.B. Baum, Blume, Vogel, Katze, Schmetterling). Die Namen aus der Natur erleichtern es den Kindern, die Figuren zu benennen und zu unterscheiden. Schwierige Figuren werden gesondert geübt und erklärt. Die Yogastunde kann unter einem speziellen Thema stehen (Zoo, Wald, Dschungel, Weihnachten, etc.). Eingängige Bewegungslieder und -verse werden mit Lockerungs- und Yogaübungen verbunden, die in den Unterricht einfliessen. Ab und zu probieren wir auch Akrobatik-Elemente aus, um besonders mutig und achtsam zu werden. Es folgt eine Entspannungsgeschichte (Meditation) und die beliebte Partnermassage. Zum Abschluss werden die Kinder aufgefordert, still ein gemeinschaftliches Bild (“Mandala”) mit unterschiedlichen Materialien zu gestalten. Die Kinder erfahren sich beim Yoga-Üben in der Bewegung und während der Entspannungsgeschichten in der Ruhe. Sie sind mal laut und mal ganz leise, erleben den Atem mal schnell und mal langsam, haben ihren Kopf mal oben und mal unten. Ein sicheres Körpergefühl entwickelt sich. Da die Übungen in Spiele, Geschichten und Sprechverse verpackt sind, können sie in Kindergruppen ähnlicher Altersstufen von ca. 10-25 Kindern geübt werden und so ohne Weiteres im Klassenraum stattfinden.

Gerade in der Kindheit, einer Zeit der intensiven Prägung, kann Yoga die Möglichkeit bieten, durch Übungen und Erfahrungen die eigene Persönlichkeit genauer kennen zu lernen. Hierdurch kann der Heranwachsende eine positive Auswirkung seiner Persönlichkeit erfahren und dauerhaft Veränderung erreichen. Um in kurzer Zeit Fortschritte zu erzielen, ist eine regelmässige Yogapraxis unabdingbar. Ziel ist, eine kontinuierliche Yogapraxis in den Regelunterricht zu integrieren.
„Wenn wir wahren Frieden in der Welt erlangen wollen, müssen wir bei den Kindern anfangen.“
Mahatma Gandhi


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